Donnerstag, 13. Juli 2006

Wie baue ich Unterricht auf?

Gegenstand der letzten Veranstaltung waren die Fragen, aus welchen Aspekten Unterricht gesehen werden muss und wie dieser aufzubauen ist?

Dabei ist festzuhalten, dass Unterricht zweierlei Aspekte aufweist:
1. Die Didaktik: Die Kunst des "Vorbereitens"; Die Art der Thematisierung, das Thema; Das Lernumfeld

2.Die Methodik: Die Kunst des "Vorgehens"; Das Finden eines geeigneten Vermittlungsweges.

Zentral bei beidem ist die "didaktische Reduktion", also die Reduktion auf "Kinderunterricht".

Zur Didaktik:
1. Sammeln: Zu Beginn sollten Stichpunkte gesammelt werden, um ein Thema oder Ideen für ein Thema zu finden.
Fragen: Wie finde ich ein Thema? Wie gehe ich vor? Wie sammle ich Ideen?

2. Sortieren: Danach müssen die Ideen bzw. die Themen sortiert werden.
Fragen: Welche Sortierungstechniken kann ich anwenden? Wie ordne ich das Thema/die Ideen? Was ist wichtig? Ist weniger mehr?

3. Thematisieren: Nun gilt es ein Thema einzugrenzen.
Fragen: Auf welche Weise thematisiere ich etwas? Worauf ist der Fokus gerichtet? Wie bringe ich etwas auf den Punkt?

4. Darstellung: Um ein Thema an die Schülerinnen und Schüler heranzubringen, ist die Art der Darstellung entscheident.
Fragen: Wie veranschauliche ich das Thema an einem Beispiel? Wie kann ich den Inhalt darstellen/erlebbar machen/zeigen?

5. Induzieren: Nach der Darstellung muss ich den Schülerinnen und Schülern das Thema zugänglich machen, wobei die Darstellung schon ein Teil dessen ist. Dabei gilt es, das Thema so zu erläutern, dass die Schülerinnen und Schüler dies auf andere Bereiche übertragen bzw. abstahieren können.
Der Weg des Klärens ist dabei der Weg des Halbierens!
Fragen: Wie reduziere und/oder abstrahiere ich das Thema? Wie verallgemeinere ich das Thema?

6. Konstruieren: Das Lernumfeld muss dabei mit einbezogen werden ebenso die Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler. Dazu muss ich auf die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler eingehen: Sehen, Tasten etc.
Fragen: Wie leite ich das Thema für einzelne Lerntypen ab? Wie differenziere ich?

7. Formalisieren: Abschließend muss ich das Thema "auf eine Formel bringen", also in Zusammenhang mit Symbolen bringen.
Fragen: Wie bringe ich das Thema auf eine Formel? Wie leite ich eine Verallgemeinerung ab? Welche Aufgabenformulierungen kann ich in Bezug auf den Unterricht stellen?

Zur Methodik:
1. Erfahrung: Der Gegenstand des Unterrichts muss ein Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufweisen.
Fragen: Wie stelle ich einen Bezug zur "Erfahrungswelt" der Schülerinnen und Schüler her? Wie lasse ich die Schülerinnen und Schüler etwas erfahren? Wie halte ich mich als Lehrer zurück? Wie lasse ich des Schülers Erfahrungen sortieren?

2. Moderation: Der Lehrer/Die Lehrerin sollte als Moderator/-in in der Klasse auftreten, um den Schülerinnen und Schülern Eigenständigkeit zu ermöglichen und nicht dazu neigen, es so darzustellen, wie er/sie das Thema erfahren hat/kennt.
Fragen: Wie bringe ich durch Moderation eine Bewertung der Schülerinnen und Schüler zum Thema ein? Wie lasse ich die Schülerinnen und Schüler das Thema vergleichen?

3. Symbolisieren: Das Thema muss abschließend auf geeignete Weise durch die Schülerinnen und Schüler auf eine Formel gebracht werden.
Fragen: Wie leite ich einen Abstraktionsprozess ein? Welche Symbole stehen für das Thema?

Nach diesem Schema sollten Unterrichtstunden aufgebaut werden. Dabei geben die Fragen nur einleitende Anstöße, jedoch nicht die Vollständigkeit einer Unterrichtsvorbereitung wieder. Die Umsetzung liegt bei jedem Einzelnen.

(Beitrag zur Veranstaltung "Werkstatt Unterricht" vom 12.07.2006)

Freitag, 23. Juni 2006

Unterrichtsstunden - ein Beispiel

Prof. Dr. Schmid: "Aufgabe zur Werkstatt "Unterricht": Geben Sie bitte die Beschreibung einer Unterrichtsstunde ein."

Das Thema der Unterrichtseinheit lautete Vorgangsbeschreibung, wobei in dieser Doppelstunde das Lernziel war, dass die Schüler das Vorgehen beim Kochen beschreiben lernen und ein Rezept verfassen können. Durchgeführt habe ich diese Stunde zusammen mit einer Kommilitonin in einer vierten Grundschulklasse, in der viele Kinder mit Migrationshintergrund waren.

Wie mache ich einen Obstsalat?

Gestalt: Wir gingen mit den Zutaten - versteckt in einem Jutebeutel - in der Klasse herum und die Schüler ertasteten den Inhalt des Beutels.

Form: Die Kinder benannten nun das erfühlte Obst, was an der Tafel schriftlich festgehalten wurde. Zudem erarbeiteten wir im Gespräch mit den Schülern das Vorgehen für die Zubereitung eines Salates (s.u.).

Analyse: Danach verteilten wir die Zutaten für den Obstsalat und die Schülerinnen und Schüler begannen mit der Zubereitung:
1. Waschen
2. Schälen und entkernen
3. Zerkleinern
4. In eine Schüssel füllen und verrühren
5. Abschmecken und ggf. würzen bzw. süßen
6 Im Kühlschrank kalt stellen.

Synthese I: Nach dem Aufräumen beschrieben die Schüler in ihrem Heft die Vorbereitung des Obstsalates in Form eines Rezeptes. Zuvor erklärten wir den Schülern, wie man ein Rezept schreibt.

images1 Synthese II: Essen und schmecken des selbsgemachten Obstsalates. Die Kinder waren begeistert darüber, wie fantastisch doch ein selbstgemachter Obstsalat schmecken kann.

(Beitrag zur Veranstaltung Werkstatt "Unterricht" vom 20.06.2006)

Mittwoch, 14. Juni 2006

Eine Phantasieschule

"Was verlangt man von einer Nation, einem Zeitalter, von dem ganzen Menschengeschlecht, wenn man ihm seine Achtung und seine Bewunderung schenken soll? Man verlangt, dass Bildung, Weisheit und Tugend so mächtig und allgemein verbreitet, als möglich, unter ihm herrschen, dass es seinen innern Werth so hoch steigern, dass der Begriff der Menschheit, wenn man ihn von ihm, als dem einzigen Beispiel, abziehen müsste, einen grossen und würdigen Gehalt gewönne." (Humboldt, Wilhelm von: Theorie der Bildung des Menschen. In: A. Flitner/K. Giel (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt. Werke in fünf Bänden. Band I. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, S. 236)

Ich habe mich, auch von den Humboldtschen Ideen inspirirend, daran versucht, eine Phantasieschule - eine Utopia Schola, wie ich sie nenne - zu entwerfen. Dabei habe ich mir folgende Fragen gestellt:

1. Welche Erfahrungen habe ich in der Schule machen müssen, die ich in einer Phantasieschule nicht wiederfinden möchte?

2. Was darf auf keinem Fall in einer Phantasieschule fehlen?

3. Welches Wissen kann ich aus meinem Studium in eine solche Phantasieschule einfließen lassen?

Beim Schreiben habe ich bemerkt, dass es mehr als sieben Seiten bedarf, um meine Utopia Schola vollständig zu beschreiben, aber die Grundfeste sind gelegt. Ich würde mich über ein Feedback und Kritik freuen! :)

(Beitrag zur Veranstaltung Werkstatt "Unterricht" vom Dienstag, 30.05.06)

Sonntag, 28. Mai 2006

Förderkonzept der GHS Breklum und ein Referat über M.C.Escher

In der heutigen Veranstaltung hatten wir Besuch von der Grund- und Hauptschule Breklum.

Die Schule verfolgt seit geraumer Zeit ein neues, anderes Schulkonzept: "Es steht nicht ausschließlich der Unterricht im Mittelpunkt, sondern das gesamte Schulumfeld." (Rektor der GHS Beklum)

Mit der Gleichung, dass Schulerfolg gleich Lebenserfolg sei, vollzog diese Schule einen reformpädagogischen Bruch mit dem klassischen Schulsystem.

Die Methoden, um diese Gleichung zu erfüllen, seien vielfältig an der Schule: Von Portfolio-Arbeit bis zum gezielten Methodentraining für die Schülerinnen und Schüler stehen alternative Unterrichtsmethoden im Zentrum.

Ziel sei es, den Schülerinnen und Schülern das Erreichen eines schnellen und guten Hauptschulabschlusses zu ermöglichen, was durch ein Modulesystem - ähnlich eines Kurssystems - unterstützend vollzogen werden solle.

Das zweite Referat am heutigen Tage befasste sich mit einer Lernstrategie zum künstlerischen Zeichnen am Beispiel von M.C. Escher (siehe meinen Beitrag vom 28.01.2006 "Drawing Hands" unter Hingerechtes Informieren II).

Hierzu wurde uns erläutert, dass man in jegliche Zeichnung mit gewissen Techniken eine Symmetrie erstellen könne. Im Falle M.C. Escher habe er folgende Technik für seine genialen Zeichnungen verwandt:

1. Achsenbildung: Im ersten Schritt gilt es von einer Zeichnung eine Achse zu ermitteln.

2. Spiegelung: Anhand dieser Achse ist es möglich eine Spiegelung des Objektes zu machen.

3. Translation: Dies bedeutet nichts anderes, als eine weitere Spiegelung versetzt auf der Achse (in der Regel um die halbe Länge des Objektes) zu zeichnen.

4. Rotation: Des Weiteren ist es möglich das Objekt entlang seiner Achse rotieren zu lassen (um die Hälfte, ein Viertel, ein Achtel etc.).

Mit diesen "einfachen" Mitteln hat M.C. Escher eine Vielzahl seiner Zeichnungen erschaffen. In der Praxis allerdings erweist sich dies als eine philigrame, sehr konzentrationsverlangende Arbeit.

Beide Referate waren - so verschieden sie auch gewesen sein mögen - sehr interessant!

claudis-tolle-zeichnung001
Ein Beispiel, das eine talentierte Kommilitonin gezeichnet hat. Mit Hilfe des Rasters (im Hintergrund) können Objekte gezeichnet, gespiegelt und gedreht werden.

Beitrag zur Veranstaltung Werstatt "Unterricht" vom 24.05.06)

Donnerstag, 18. Mai 2006

Gestalt-Form-Analyse-Synthese

Die Aufgabe zur Sitzung vom 17.05.05 lautet: Planen Sie eine Unterrichtsstunde mit den Phasen: Gestalt - Form - Analyse - Synthese.

Eine von mir erdachte Unterrichtsstunde zum Thema "Arbeitslosigkeit".

1. Phase: Die Gestalt - etwas Schemenhaftes, nicht deutlich Erkennbares:

Die Gestalt bildet der Begriff der Arbeitslosigkeit, den jeder Schüler und jede Schülerin kennt, jedoch noch nicht am eigenen Leibe erfahren hat.
Der erste Teil der Stunde ist also das Gepräch über diesen Begriff, was in unterschiedlichen Methoden (Frontal, Gruppe, Parnter) geschehen kann, wobei ein Impuls, z.B. eine Geschichte über ein Kind arbeitsloser Eltern, inspiriert, lenkt oder aktiviert.

2. Phase: Die Form - ein Körper ,etwas Konkretes, Beeinflussbares:

Nun ist es an der Zeit, die Erfahrungen und Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler in eine Form zu gießen. Es wurde eine arbeitslose Person eingeladen, die von ihrem Alltag berichtet. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler den Auftrag, darauf zu achten, ob etwas von dem, was sich aus dem Gespräch ergab, wiederfinden.

3. Phase: Die Analyse - eine Untersuchung, Zergliederung:

Ausgehend von dem Gespräch des/der Arbeitslosen haben die Schülerinnen und Schüler nun Zeit, kombiniert mit ihren Informationen und Auffassungen (Methode wieder beliebig), sich Fragen auszudenken, die sie an die arbeitslose Person richten dürfen.

4. Phase: Synthese - Teile wieder (neu) zusammenfügen:

Die Befragung beginnt und jeder Schüler und jede Schülerin schreibt sich eine, in der Klasse gefallene Frage auf. Zum Ende hin werden diese Fragen an der Tafel zusammengefügt (das dürfen die Schülerinnen und Schüler eigenständig an die Tafel schreiben) und über diese Fragen und die vorherige Auffassungen wird in der Klasse diskutiert werden (Stuhlkreis).

(Beitrag zur Veranstaltung Werkstatt "Unterricht" vom 17.05.06)

Freitag, 5. Mai 2006

Werkstatt "Unterricht"...

...ist die Bezeichnung eines der Seminare, die im diesem Semester von Prof. Dr. Schmid angeboten werden. Und allein diese Bezeichnung wirft schon die ersten Fragen auf:

1. Der Begriff Werkstatt bezeichnet einen mit Werkzeugen und Maschinen ausgestatteten Ort, an dem etwas von Arbeitskräften produziert wird.

2. Unterricht hingegen "(...) nennt man eine Organisationsform von Lehrveranstaltung, die den Austausch von Wissen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, also Lernen ermöglichen soll." (http://de.wikipedia.org/wiki/Unterricht, 27.05.06)

Diesen Begriffen sind also zwei unterschiedliche Ziele zugeordnet: Produktion vs. Lernen. Gegensätze?

Ausdrücke wie "produktives Lernen", "Bildungsökonomie", "Humankapital" oder "Lernwerkstatt" versuchen immer wieder diese verschiedenen Ziele sprachlich, und bei den drei letzteren auch inhaltlich, zusammen zu bringen, gleichwohl die Intentionen andere sein mögen. Bei der Diskussion um die Qualität und die Finanzierung von Schulen und Hochschulen wird von Output gesprochen, ein Begriff, der sich auf die Produktion einer wirtschaflichen Menge oder Größe bezieht. Sind Lerner Produzenten und wenn ja, was produzieren sie, welche Produkte werfen sie ab und ist dieser Output erfassbar?

Lernen ist keine Produktion, lernen kann nicht produziert werden, Produktion kann keine Lehre schaffen. Es geht also um etwas anderes. Aber was?

Ich werde aufmerksam das Seminar verfolgen müssen, um eine Antwort auf diese Frage finden zu können.

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